Social-Media-Trend führt zu lebensgefährlichen Bergtouren ohne Erfahrung
Miroslav HofmannSocial-Media-Trend führt zu lebensgefährlichen Bergtouren ohne Erfahrung
Immer mehr Wanderer und Bergsteiger wagen sich nach Social-Media-Vorbildern auf gefährliche Routen – Experten warnen vor lebensbedrohlichen Nachahmungstaten
Eine wachsende Zahl von Wanderern und Kletterern versucht sich nach der Inspiration aus sozialen Medien an riskanten Bergtouren. Experten schlagen Alarm: Unerfahrene Abenteurer setzen ihr Leben auf Spiel, indem sie waghalsige Aktionen aus Online-Videos nachahmen. Aktuelle Vorfälle unterstreichen die Gefahren dieses Trends – Rettungskräfte zeigen sich besorgt über den Einfluss viraler Clips.
Der norwegische Kletterer Magnus Midtbø veröffentlichte kürzlich ein YouTube-Video seines Solo-Aufstiegs am Matterhorn, das bereits 2,7 Millionen Mal aufgerufen wurde. Später gab Midtbø zu, über keinerlei alpine Erfahrung zu verfügen und ohne Führung unterwegs gewesen zu sein – seine Entscheidung nannte er rückblickend „leichtsinnig“. Mittlerweile warnt er Zuschauer eindringlich davor, seinen Fehler zu wiederholen.
Ein weiterer Fall: Der TikTok-Influencer Jonathan Schöck bestieg trotz Höhenangst die Zugspitze – und zwar ohne ausreichende Vorbereitung. Unterdessen mussten zwei junge Wanderer in den Allgäuer Alpen vom Bayerischen Bergwacht gerettet werden, nachdem sie sich an eine anspruchsvolle Tour gewagt hatten, die sie auf TikTok entdeckt hatten.
Fachleute üben scharfe Kritik an solchen Unterfangen. Christoph Pirchmoser vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) betont, Midtbø habe „enormes Glück“ gehabt, unversehrt davongekommen zu sein. Anjan Truffer, Bergretter aus dem Wallis, warnt: Selbst wenn nur ein Prozent der Zuschauer solche Klettertouren nachahmten, könnte das schwerwiegende Folgen haben. Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern bezeichnet soziale Medien als „zweischneidiges Schwert“ für den Bergsport: Einerseits nützlich zur Wissensvermittlung, andererseits gefährlich, wenn sie verantwortungslos genutzt werden.
Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) sieht in den Influencern vor allem „Adrenalin-Junkies“, nicht jedoch einen flächendeckenden Trend. Dennoch stellt Truffer fest, dass soziale Medien immer mehr Menschen zu unnötigen Risiken in den Bergen verleiten.
Rettungsteams und Alpenvereine betonen weiterhin die Bedeutung von fundierter Ausbildung und sorgfältiger Vorbereitung. Sie warnen davor, dass virale Klettervideos unerfahrene Wanderer in lebensbedrohliche Situationen locken können. Die jüngsten Vorfälle sind eine Mahnung: Berge verlangen Respekt, Können und Umsicht – nicht bloße Inspiration aus dem Netz.






