Jesidischer Azubi in Bayern droht Abschiebung trotz Fachkräftemangel und Integration
Alexander TextorJesidischer Azubi in Bayern droht Abschiebung trotz Fachkräftemangel und Integration
Ein 17-jähriger jesidischer Auszubildender in Bayern droht gemeinsam mit seinen Eltern abgeschoben zu werden – obwohl er gut integriert ist und in einem Mangelberuf arbeitet. Matin P., der eine Lehre als Fahrradmechatroniker absolviert, erhielt von den Ausländerbehörden ein Ultimatum: Er könne seine Ausbildung allein fortsetzen oder mit seiner Familie Deutschland verlassen. Der Fall hat bei Unterstützern Empörung ausgelöst, die argumentieren, die Entscheidung ignoriere sowohl humanitäre Belange als auch die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes.
Die Familie P. war 2020 nach Deutschland gekommen, nachdem sie 2014 vor dem Völkermord des IS geflohen war. Sie glaubten, hier dauerhafte Sicherheit gefunden zu haben, doch die bayerischen Behörden bestehen nun auf ihre Abschiebung. Ein Bericht des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unterstreicht die harten Realitäten, mit denen Jesiden im Irak weiterhin konfrontiert sind – darunter zerfallende Infrastruktur und anhaltende Gewaltbedrohungen.
Matins Ausbildung zum Fahrradmechatroniker – ein Beruf, der während der Pandemie als systemrelevant eingestuft wurde – hat ihn nicht vor der Abschiebung bewahrt. Stattdessen schlugen die Behörden einen Deal vor: Seine Eltern könnten freiwillig ausreisen, während er bleiben und seine Lehre abschließen dürfe. Der Bayerische Flüchtlingsrat verurteilte dieses Angebot als "Erpressung", und Matin weigerte sich, seine Familie im Stich zu lassen.
Der politische Druck, solche Abschiebungen zu stoppen, wächst. Die Grünen und die Linke haben im Bundestag Gesetzentwürfe eingebracht, die jesidischen Überlebenden Aufenthaltsrechte gewähren sollen. Gleichzeitig haben Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen Abschiebungen von jesidischen Geflüchteten bereits ausgesetzt. Bayern jedoch bleibt hart – obwohl allein in den vergangenen zwei Jahren mindestens 15 weitere jesidische Familien in der Region mit ähnlichen Abschiebedrohungen konfrontiert waren.
Die erzwungene Rückkehr der Familie würde sie von ihren fünf erwachsenen Kindern trennen, die in Deutschland bleiben. Unterstützer warnen, dass die Abschiebung traumatisierter Überlebender in instabile Regionen sowohl ethischen Grundsätzen als auch der eigenen Arbeitsmarktpolitik des Landes widerspricht.
Matin P. steht nun vor einer unmöglichen Entscheidung: seine Eltern zu verlassen oder seine Zukunft in Deutschland aufzugeben. Der Fall verdeutlicht den größeren Konflikt zwischen Bayerns strenger Migrationspolitik und den Forderungen nach Schutz für besonders schutzbedürftige Gruppen. Während Gesetzesvorhaben anstehen und andere Bundesländer jesidische Geflüchtete nicht abschieben, könnte das Ergebnis dieses Falls ein Präzedenzfall für Hunderte ähnlicher Fälle werden.