Igor Levit ehrt Schostakowitsch in Wien – zwischen Musik und politischem Mut
Miroslav HofmannIgor Levit ehrt Schostakowitsch in Wien – zwischen Musik und politischem Mut
Igor Levit, einer der weltweit führenden klassischen Pianisten, bereitet sich auf eine große Hommage an Dmitri Schostakowitsch in der Wiener Musikverein vor. Die Konzertreihe, die vom 17. bis 22. Oktober stattfindet, fällt in eine Zeit, in der seine jüdische Identität und sein politisches Engagement neue Bedeutung gewonnen haben. 1987 in Nischni Nowgorod geboren, zog er als Kind nach Deutschland und ist seitdem eine prägende Stimme gegen Antisemitismus und für die Menschenrechte.
Levits musikalische Karriere begann früh, und sein Talent war unübersehbar. Nach seinem Umzug nach Hannover mit acht Jahren studierte er an der Hochschule für Musik, Theater und Medien und schloss mit der besten Note in der Geschichte der Einrichtung ab. Bis Ende der 2010er-Jahre war sein Ruf gefestigt: 2018 erhielt er den renommierten Gilmore Artist Award, ein Jahr später wurde er zum Professor an seiner Alma Mater berufen.
Doch die Anerkennung für sein Wirken beschränkte sich nicht auf die Musik. 2020 wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet und vom Internationalen Auschwitz-Komitee für sein Engagement geehrt. Schon lange setzt er sich für Menschenrechte ein, doch der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 vertiefte seine Verbindung zu seinem jüdischen Erbe.
Trotz seiner deutlichen Haltung betont Levit, dass Künstler niemals pauschal für politische Konflikte verantwortlich gemacht werden dürfen. Jeder müsse selbst entscheiden, ob er sich äußere oder schweige. Gleichzeitig zeigt er wenig Verständnis für Opportunismus und prangert die Feigheit derer an, die sich einer klaren Positionierung entziehen. Zwar rechnet er mit Antisemitismus und hat gelernt, ihm entgegenzutreten – doch die Heuchelei anderer bleibt eine ständige Quelle der Verärgerung.
Seit Oktober 2023 gibt es keine dokumentierten Fälle von öffentlichen Boykottaufrufen oder flächendeckenden Absagen gegen israelische oder jüdische Künstler in der klassischen Musikszene. Berichte deuten stattdessen auf breitere Debatten über die Spannungen im Nahen Osten, Antisemitismus und nicht damit zusammenhängende kulturelle Veranstaltungen hin – ohne dass sich in Deutschland, Österreich oder darüber hinaus ein klares Muster institutioneller Maßnahmen abzeichnet.
Die anstehende Schostakowitsch-Reihe in Wien markiert einen weiteren Höhepunkt in Levits herausragender Karriere. Seine Auftritte ziehen nicht nur wegen ihrer künstlerischen Brillanz Aufmerksamkeit auf sich, sondern auch wegen der Werte, für die er einsteht. Als Musiker und Aktivist bleibt er eine sichtbare Figur im Kampf gegen Ungerechtigkeit – auch wenn die Diskussionen über kulturelle Boykotte weitgehend aus dem Rampenlicht bleiben.