14 March 2026, 06:28

Großrazzia in Nürnberg: Polizei durchsucht 24 Wohnungen nach Ausschreitungen bei rechtsextremer Demo

Eine Gruppe von Menschen, einige bewaffnet und mit Möppen, steht vor einem Gebäude mit Fenstern, um gegen eine Regierungsentscheidung zu protestieren, mit Fahrzeugen und einem Verkehrskegel im Vordergrund und einem Wasserzeichen auf dem Bild.

Großrazzia in Nürnberg: Polizei durchsucht 24 Wohnungen nach Ausschreitungen bei rechtsextremer Demo

Knapp ein Jahr nach Ausschreitungen bei einer rechtsextremen Demonstration in Nürnberg hat die Polizei im Zusammenhang mit dem Vorfall Razzien durchgeführt. Am 26. April 2025 war es bei Gegenprotesten gegen den Aufmarsch der Bewegung "Gemeinsam für Deutschland" (GFD) zu verstreuten Auseinandersetzungen mit Beamten gekommen. Nun wurden 24 Wohnungen im Rahmen von Ermittlungen wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch durchsucht.

Die Aktion stößt wegen ihres Ausmaßes auf Kritik – insbesondere, da bei der ursprünglichen Demonstration weder schwere Verletzungen noch koordinierte Angriffe dokumentiert wurden.

Die Razzien stehen im Zusammenhang mit einer Kundgebung im April 2025, als sich über 2.000 linke Aktivistinnen und Aktivisten versammelten, um gegen den GFD-Marsch zu protestieren. Dabei kam es zu Zusammenstößen, bei denen 38 Gegendemonstranten verletzt wurden. Die Polizei berichtete später, ein Beamter sei an der Brust gestoßen worden und habe leichte Verletzungen erlitten.

Zehn Monate später ermitteln die Staatsanwaltschaften nun gegen Personen, denen "Angriffe auf Polizeibeamte" vorgeworfen werden. Viele der Beschuldigten sollen jedoch nicht gemeinsam gehandelt haben. Stattdessen beziehen sich die Untersuchungen auf einzelne Vorfälle an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Kritiker halten das Vorgehen für unverhältnismäßig. Öffentliche Unterlagen geben keine Auskunft darüber, wie viele Menschen tatsächlich angeklagt werden; in Berichten ist lediglich von einigen Fällen wegen geringfügiger Delikte wie unerlaubter Versammlungen die Rede. Verglichen wird der Fall mit dem "Rondenbarg"-Verfahren, bei dem 86 Personen allein wegen der Teilnahme an einer Demonstration angeklagt worden waren – die Vorwürfe wurden später fallengelassen.

Nach den Razzien protestierten rund 200 Antifaschistinnen und Antifaschisten vor dem Nürnberger Polizeipräsidium. Die Aktion erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen, da rechtsextreme Aufmärsche und begleitende Gewalt die Stadt in den vergangenen Monaten wiederholt in Alarmbereitschaft versetzt haben.

Die Durchsuchungen haben die Debatte über Polizeitaktiken und den Umgang mit Demonstrationen in Nürnberg neu entfacht. Während die Ermittlungen andauern, wurden weder konkrete Anklagepunkte noch die genaue Zahl der Beschuldigten öffentlich gemacht. Nun stellt sich die Frage, ob das Ausmaß der Operation im Verhältnis zur Schwere der vorgeworfenen Straftaten steht.

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