Debatte um Sexualisierung von Minderjährigen: Wenders zieht Falsche Bewegung zurück
Stjepan StaudeDebatte um Sexualisierung von Minderjährigen: Wenders zieht Falsche Bewegung zurück
Eine aktuelle Debatte hat die Diskussion über die Darstellung von Minderjährigen im Film neu entfacht. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 und eine halbnackte Szene mit Nastassja Kinski, die damals erst 13 Jahre alt war. Die Thematik erhielt breite Aufmerksamkeit, nachdem der Film im März im Frankfurter Filmmuseum gezeigt worden war.
Nastassja Kinski hatte sich bereits seit Langem dafür eingesetzt, die umstrittene Szene aus Falsche Bewegung entfernen zu lassen. Erst als Wenders ihre Bitte öffentlich zurückwies, gewann ihre Initiative an Fahrt. Dies lenkte die Debatte von einer pauschalen Verurteilung Wenders’ hin zu einer differenzierteren Auseinandersetzung mit dem Film selbst – und damit zur grundsätzlichen Frage der Sexualisierung von Minderjährigen im Kino.
Wenders entschuldigte sich später bei Kinski und zog den Film aus dem Verleih zurück. Die Diskussion zog auch andere Schauspielerinnen in ihren Bann, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Brooke Shields, die in Pretty Baby eine elfjährige Kindesprostituiere spielte, äußerte sich unbehaglich darüber, wie sie ihre Mitwirkung in einem Film rechtfertigen solle, den manche als unmoralisch einstufen.
Natalie Portman, die mit zwölf Jahren in Léon – Der Profi mitspielte, erinnerte sich an beunruhigende Fanpost und eine Radiostation, die die Tage bis zu ihrem 18. Geburtstag herunterzählte. Unterdessen betonten Dakota Fanning und Kirsten Dunst die Notwendigkeit professioneller Standards und respektvollen Umgangs am Set sowie die Verantwortung des Publikums bei der Interpretation von Filmen. Jodie Foster, die mit zwölf in Taxi Driver zu sehen war, sprach hingegen stets mit Humor über ihre Rolle.
Die Debatte berührte auch die Frage, ob Filme inhaltlich bearbeitet werden können, ohne ihren künstlerischen Kern zu verlieren. Während die einen für die Bewahrung des Originals plädieren, sehen andere durchaus Sinn in Anpassungen.
Die Auseinandersetzung um Falsche Bewegung hat vielfältige Perspektiven ans Licht gebracht. Wenders’ Entscheidung, den Film zurückzuziehen, stellt eine konkrete Reaktion auf die geäußerten Bedenken dar. Die Diskussion prägt weiterhin, wie die Branche mit der Darstellung und dem Schutz junger Schauspieler umgeht.






