Apothekenreform scheitert an zentralen Problemen – Existenzkampf der lokalen Apotheken
Alexander TextorApothekenreform scheitert an zentralen Problemen – Existenzkampf der lokalen Apotheken
Streit um geplante Apothekenreform: Kritik an fehlenden Änderungen
Die Kontroverse um die geplante Apothekenreform in Deutschland hat sich zugespitzt. Kritiker werfen der Bundesregierung vor, zentrale Probleme nicht anzugehen. Gesundheitsfachleute und Branchenvertreter bemängeln, dass der Reformvorschlag die finanziellen Nöte der Apotheken und die unfaire Konkurrenz durch Online-Händler ignoriert. Ohne Nachbesserungen, so die Warnung, drohe vor allem ländlichen Apotheken weitere Instabilität – bis hin zur Existenzgefährdung.
Feste Gebühr und Versandhandelsverbot gefordert Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, fordert eine Erhöhung der Festbeträge auf 9,50 Euro pro Rezept. Dies sei notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Apotheken angesichts des Drucks durch Online-Anbieter zu sichern. Zudem spricht er sich für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten aus – ähnlich wie in anderen EU-Ländern.
Die Apothekerin Carolina Trautner, Mitglied im Gesundheitsausschuss Bayerns, betont unterdessen die Bedeutung einer zuverlässigen Arzneimittelversorgung. Gemeinsam mit Seidenath lehnt sie Pläne ab, nach denen Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) Apotheken ohne anwesenden Apotheker leiten dürfen. Beide bestehen darauf, dass nur qualifizierte Apotheker die Abgabe von Medikamenten verantworten sollten, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.
Regulierungslücken und wirtschaftliche Sorgen Die Debatte erstreckt sich auch auf die unterschiedlichen Auflagen für stationäre Apotheken und Online-Händler. Seidenath verlangt gleiche Standards etwa bei der Kühlkette oder der Dokumentation – aktuell seien traditionelle Apotheken benachteiligt. Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter beim Pharma-Großhändler Noweda, pflichtet dem bei. Er verweist auf die angespannte finanzielle Lage vieler Apotheken und das nachlassende Interesse junger Menschen, Familienbetriebe zu übernehmen.
Die Reformgegner fordern mehr finanzielle Unterstützung und strengere Kontrollen für Online-Apotheken. Ohne diese Änderungen, so die Befürchtung, könnte die flächendeckende Arzneimittelversorgung – besonders in unterversorgten Regionen – weiter leiden. Nun liegt es an den politischen Entscheidungsträgern, die Weichen für die anstehende Reform neu zu stellen.






