Wie Opernhäuser Social Media neu erfinden – zwischen Lifestyle und Kunstdebatten
Stjepan StaudeWie Opernhäuser Social Media neu erfinden – zwischen Lifestyle und Kunstdebatten
Opernhäuser revolutionieren ihre Social-Media-Präsenz – weg von der Musik, hin zu Lifestyle und Unterhaltung. Diese Entwicklung zeigt sich bei vielen großen europäischen Institutionen.
Das Festspielhaus Baden-Baden inszeniert auf Instagram klassische Musik als Genussmittel: Die Posts zeigen oft moderierende Gastgeber, die während der Aufführungen mit Drinks in der Hand lässig posieren. Die Wiener Staatsoper, deren Account von Hemma und Jakob betreut wird, präsentiert Oper nicht als Kunstform, sondern als Spielwiese oder kulinarisches Erlebnis.
Die Bayerische Staatsoper setzt auf einen anderen Kurs. Hier stehen inhaltliche Debatten im Mittelpunkt – über Wagner, das Orchester oder die künstlerische Ausrichtung des Hauses. Tenor Jonas Kaufmann zeigt sich in Kostümen, während Dirigent Vladimir Jurowski und Regisseur Tobias Kratzer ihre Ideen ohne Mikrofon und ohne Show-Effekte austauschen.
Andere Häuser setzen auf kommerzielle Ansprache. Die Staatsoper Berlin bedankt sich auf Instagram immer wieder bei Sponsoren wie BMW, fast wie eine Werbeschleife. Oper Bert reduziert Oper auf oberflächliche Unterhaltung – mit Fokus auf Drinks für die Pausen. Manche Häuser bieten sogar Tutorials an, wie man sich am Buffet bedient, oder erklären Grundregeln des Benehmens, als müsste das Publikum erst noch lernen, wie man sich in einer Oper verhält.
Junge Influencer:innen propagieren stattdessen Dresscodes, Drinks und „Überlebenstipps“ – alles, nur keine Musik. Die Oper wird so zunehmend zur Konsum- und Lifestyle-Veranstaltung, während künstlerische Tiefe in den Hintergrund rückt.
