08 April 2026, 02:10

Wie ein Junge aus Kiel die Seefahrt und ihre Mythen für sich entdeckte

Altes Buchcover mit einem vintage-Schiff mit blähenden Segeln auf Wasser, Titeltext in klassischer Schriftart, gedämpfte Farben.

Wie ein Junge aus Kiel die Seefahrt und ihre Mythen für sich entdeckte

Die letzte überlebende Viermastbark der legendären Flying P-Liner, die Padua – heute bekannt als das russische Schulschiff Krusenstern – nimmt einen besonderen Platz in der Seefahrtsgeschichte ein. Für Michael Krieg begann eine lebenslange Liebe zu Schiffen und Seemannsliedern in Kiel, wo er bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr von den Anblicken und Klängen der Howaldtswerke-Werften umgeben aufwuchs.

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Als Junge faszinierte Krieg das tägliche Schauspiel der Schiffe, die vom Stapel liefen und in den Kieler Förde zu Wasser gelassen wurden. Die vor Anker liegenden Marinefahrzeuge und der rhythmische Betrieb der Werften prägten ihn nachhaltig. Seine Begeisterung für das Meer ging jedoch über das Visuelle hinaus: Er trat einem Kirchenchor bei, in dem ein Bass sang, der auch im Lotsen-Gesangverein, einer örtlichen Seemanns-Sängervereinigung, mitwirkte.

Die Romantik des Seefahrerlebens wurde für ihn zudem durch die Musik und Filme seiner Jugend geprägt. Hans Albers, der ikonische "blonde Hans", war in Kriegs Familie ein fester Begriff – seine Stimme begleitete ihre Ausflüge mit Seemannsliedern. In Albers' Film Große Freiheit Nr. 7 von 1944 spielte er Hannes Kröger, einen singenden Matrosen, der nach Abenteuern dürstete. In einer unvergesslichen Szene stimmt Albers' Figur La Paloma an, bevor er an Bord der Padua geht, Hamburgs letztem großen Segelschiff.

Kriegs eigener Musikgeschmack tendierte zu Freddy Quinns Einmal noch nach Bombay, einem Lied, das seine Träume von fernen Reisen widerspiegelte. Doch seine Verbindung zum Meer blieb stets realistisch – anders als in der verklärten Welt von Filmen und Liedern, in der das Leben an Bord oft weit weniger idyllisch war, als die romantischen Erzählungen suggerierten.

Die Padua, die heute unter neuem Namen segelt, bleibt eine greifbare Verbindung zum goldenen Zeitalter der Großsegler. Für Krieg prägten die Erinnerungen an die Kieler Werften, die Stimmen von Albers und Quinn sowie die Geschichten von Seefahrern wie Hannes Kröger eine lebenslange Bindung an das Meer. Doch diese Verbindung war stets von dem Bewusstsein geprägt, dass sich Mythos und Realität derer, die auf den Wellen arbeiteten, oft grundlegend unterschieden.

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