07 May 2026, 14:14

Wie die DDR die jüdische Geschichte Halberstadts zum Schweigen brachte

Plakat mit schwarzem Hintergrund, Text "Schaff das jüdische Heimatland jetzt - Palestine Restoration Fund", Bilder von Gebäuden, Hügeln und einem Sternsymbol.

Wie die DDR die jüdische Geschichte Halberstadts zum Schweigen brachte

Ein neues Buch von Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit. In „Verweigerte Erinnerung“ zeigt der Autor, wie die antifaschistische Politik des Staates das Verschwinden der einst blühenden jüdischen Gemeinde der Stadt nicht aufarbeitete. Gleichzeitig zeichnet das Werk nach, wie das jüdische Gedächtnis an einem Ort getilgt wurde, der einst ein Zentrum des neo-orthodoxen Judentums war.

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Die jüdische Gemeinde Halberstadts wurde zwischen 1938 und 1942 systematisch zerstört. Die Niederbrennung der Synagoge im Jahr 1938 markierte, wie der Historiker Martin Gabriel später festhielt, den Beginn ihrer Vernichtung. 1961 wurde Willy Calm, der letzte überlebende Jude der Stadt, auf dem jüdischen Friedhof an der Quenstedter Straße beigesetzt.

Nach dem Krieg wurden viele jüdische Betriebe von nichtjüdischen Bewohnern übernommen und umbenannt. Die offizielle antifaschistische Haltung der DDR tat wenig, um diesen Verlust anzuerkennen. Stattdessen konzentrierten sich die staatlichen Erzählungen auf den allgemeinen Widerstand – das lokale jüdische Leid blieb dabei oft unberücksichtigt.

1949 wurde am ehemaligen Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge ein Mahnmal für die Opfer der Zwangsarbeit enthüllt. Zwanzig Jahre später gestaltete man es zu einer politischen Gedenkstätte um, an der Jugendliche ihre Treue zu sozialistischen Idealen gelobten. Unterdessen wurden die unterirdischen Stollen des Lagers in den 1970er-Jahren als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee umfunktioniert.

Trotz des offiziellen Schweigens fanden einige jüdische Stimmen Eingang in die DDR-Kultur. Die 1969 erschienenen Romane von Peter Edel und Jurek Becker setzten sich mit jüdischen Erfahrungen unter dem Faschismus auseinander. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati zog 1952 nach Ost-Berlin und veröffentlichte drei Schallplatten, die jüdische Musiktraditionen bewahrten.

Grafs Buch wirft ein Licht auf eine Geschichte, die in der DDR weitgehend ignoriert wurde. Die Zerstörung der Halberstädter Juden, die Umnutzung von Lagerstätten und die begrenzte kulturelle Anerkennung jüdischen Lebens offenbaren die Lücken im antifaschistischen Selbstverständnis des Staates. Die Arbeit hinterfragt gängige Annahmen darüber, wie in der DDR die Vergangenheit erinnert – oder verdrängt – wurde.

Quelle