Wehrpflicht-Fragebogen ignoriert: Warum ein Viertel der jungen Männer die Frist verpasst
Stjepan StaudeWehrpflicht-Fragebogen ignoriert: Warum ein Viertel der jungen Männer die Frist verpasst
Seit Beginn des Jahres 2023 sind alle jungen Männer, die 2008 oder später geboren wurden, verpflichtet, einen Fragebogen zur militärischen Erfassung auszufüllen. Die Frist ist abgelaufen, doch etwa ein Viertel der Betroffenen hat dies noch nicht getan – und riskiert damit Bußgelder.
Die Bundeswehr zählt derzeit knapp 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und hat damit bereits das Mindestziel erreicht, das das Wehrpflichtgesetz für 2026 vorsieht. Grundlegende Fitnessests, im Militärjargon als „Eierkornrollgriff“ bekannt, sind bisher nur für Freiwillige verpflichtend – die Kapazitäten für eine flächendeckende Durchführung reichen nicht aus.
Auf einem kürzlich von der Linkspartei veranstalteten Festival gegen die Wehrpflicht war das Publikum überwiegend jung. Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Bundestagsfraktion, fragte die Anwesenden, wer von ihnen freiwillig gekommen sei. Sie rief zum Widerstand gegen die Erfassung auf und erklärte: „Nein zum Wehrdienst, nein zur Militarisierung und nein zu einer Regierung, die Entscheidungen gegen euch und ohne euch trifft!“
Daniel Lücking, politikberater der Linkspartei und ehemaliger Soldat, war zuvor im Bereich „operative Kommunikation“ in Afghanistan im Einsatz. Der 24-jährige Justin Klemm argumentierte unterdessen, dass Mittel aus dem Militärbereich in soziale Programme umgelenkt werden sollten. Desiree Becker, Mitglied des Verteidigungsausschusses für die Linkspartei, wies die Behauptung zurück, die Wehrpflicht werde die Zahl der aktiven Bundeswehrangehörigen erhöhen.
Die Erfassung bleibt umstritten – viele junge Männer kommen der Pflicht weiterhin nicht nach. Kritische Stimmen fordern stattdessen eine alternative Verwendung öffentlicher Gelder. Die aktuellen Personalzahlen der Bundeswehr erfüllen bereits jetzt die für die Zukunft gesetzten Ziele – und das ohne Wehrpflicht.






