NSU-Dokumentationszentrum droht erneut an Haushaltsstreit zu scheitern
Stjepan StaudeNSU-Dokumentationszentrum droht erneut an Haushaltsstreit zu scheitern
Pläne für ein nationales Dokumentationszentrum zur rechtsextremen NSU-Terrorgruppe stehen erneut auf der Kippe. Das Vorhaben, das von aufeinanderfolgenden Regierungen versprochen wurde, droht nun aufgrund sich verschiebender politischer Prioritäten und Haushaltszwänge verzögert zu werden. Die grüne Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger hat Bedenken wegen des mangelnden Fortschritts bei der Einrichtung der Gedenkstätte in Nürnberg geäußert.
Der NSU, ein neonazistisches Trio, das zwischen 1998 und 2011 aktiv war, ermordete mindestens elf Menschen – die meisten von ihnen mit Migrationshintergrund. Trotz wiederholter Zusagen, ein Dokumentationszentrum zu schaffen, kam das Projekt unter verschiedenen Regierungen nicht voran.
2022 hatte das Bundesinnenministerium Schönberger mitgeteilt, dass die gesetzlichen Vorbereitungen für das Zentrum bis Ende 2025 beginnen sollten. Eine aktuelle Antwort des Ministeriums blieb jedoch vage und verwies lediglich auf Haushaltsplanungen für 2027 und darüber hinaus. Zwar wurden in diesem Jahr zwei Millionen Euro bereitgestellt, um die Grundlagen zu schaffen, doch die derzeitige CDU/CSU-geführte Koalition hat das Vorhaben nicht priorisiert, während die SPD nach Einsparungen strebt.
Schönberger fordert einen klaren Zeitplan, ausreichende Finanzierung sowie eine substantielle Einbindung der Angehörigen der Opfer und Überlebenden. Auch die vorherige Ampelkoalition hatte das Zentrum unterstützt, doch vor dem Ende der Legislaturperiode wurde kein Gesetz verabschiedet. Zentrale Fragen zum NSU – etwa nach möglichen Helfern und Verbindungen zu Nachrichtendiensten – bleiben weiterhin ungeklärt.
Die Einrichtung des Dokumentationszentrums war im Koalitionsvertrag der CDU/CSU-SPD-Regierung vereinbart worden. Ohne stärkere politische Rückendeckung und gesicherte Finanzierung bleibt seine Zukunft jedoch ungewiss. Angehörige der Opfer und Aktivisten kämpfen weiterhin um Aufklärung und ein dauerhaftes Mahnmal für die NSU-Verbrechen.






