ifo-Chef Fuest warnt vor Erhöhung des Spitzensteuersatzes und fordert Ausgabenkürzungen
Miroslav Hofmannifo-Chef Fuest warnt vor Erhöhung des Spitzensteuersatzes und fordert Ausgabenkürzungen
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, hat die deutsche Bundesregierung aufgefordert, von einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes abzusehen. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der die Ampelkoalition über Steuerreformen diskutiert, die wirtschaftliche Belastungen wie Inflation und Wohnungsmangel abfedern sollen.
Im vergangenen Jahr hatte es bereits mehrere steuerliche Anpassungen gegeben, darunter eine höhere Pendlerpauschale und ein reduzierter Mehrwertsteuersatz für Restaurantbesuche. Fuest betonte, dass Steuersenkungen erst nach Kürzungen der Staatsausgaben in Angriff genommen werden sollten. Er argumentierte, dass weder eine höhere Neuverschuldung noch die Erhöhung anderer Abgaben – etwa der Erbschaftsteuer – die Finanzierungsprobleme lösen würden. Die Schuldenbremse, die die Kreditaufnahme des Bundes begrenzt, schränke die Handlungsspielräume der Regierung zusätzlich ein.
Gleichzeitig warnte er davor, dass eine Anhebung des Spitzensteuersatzes das Wirtschaftswachstum hemmen könnte, insbesondere für Unternehmen, die als Personengesellschaften organisiert sind. Statt Steuererhöhungen schlug er eine ausgewogene Kombination aus Ausgabenkürzungen, begrenzter Neuverschuldung und gezielten Steuersenkungen vor.
Einige der jüngsten Reformen spiegeln diese Bedenken bereits wider: Ab 2026 wird die Pendlerpauschale dauerhaft auf 38 Cent pro Kilometer steigen. Der Mehrwertsteuersatz für Restaurantmahlzeiten wurde bereits auf 7 Prozent gesenkt, und die Energiekosten sollen bis 2026 um über 10 Milliarden Euro jährlich entlastet werden. Zudem sind ab 2028 Unternehmenssteuersenkungen geplant, begleitet von Investitionsanreizen wie einer 30-prozentigen Abschreibung auf Ausrüstungsgüter von Mitte 2025 bis 2028.
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit und Investitionstätigkeit zu stärken – als Reaktion auf die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen. Fuests Warnungen unterstreichen jedoch, wie wichtig es ist, künftige Steuerpolitiken mit Bedacht zu gestalten.
Nun steht die Regierung vor der Entscheidung, entweder weitere Steuersenkungen umzusetzen oder strengere Ausgabenkontrollen einzuführen. Fuests Rat macht deutlich, welche Risiken mit Steuererhöhungen verbunden sind, solange die öffentlichen Finanzen nicht zuvor konsolidiert werden. Die Weichenstellung wird voraussichtlich das unternehmerische Vertrauen und das Wirtschaftswachstum der kommenden Jahre prägen.






