Holzingers Pfingstspiel in Wien: Aktionskunst zwischen Blut, Technologie und Taubenhelm
Alexander TextorHolzingers Pfingstspiel in Wien: Aktionskunst zwischen Blut, Technologie und Taubenhelm
Ein mutiges und visuell atemberaubendes Pfingstspiel entfaltete sich diese Woche in Wien. Florentina Holzingers Inszenierung verband extreme Körperlichkeit, Technologie und symbolträchtige Gesten, um das Erbe des Aktionisten Hermann Nitsch zu ehren. Die Performance führte vom Wiener Eislaufverein nach Schloss Prinzendorf, dem historischen Sitz von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater.
Das Spektakel begann mit einer „Malaktion“, die an Nitschs Werk anknüpfte: Eine gekreuzigte Darstellerin hing über dem Publikum, während Drohnen von oben rote Farbe versprühten. Später zermalmte ein Monstertruck einen Panzer – ein dramatischer Appell für Frieden –, bevor ein Fallschirmspringer mit einem Taubenhelm in der Nähe landete.
Im Intercontinental Hotel ließ sich eine nackte Frau langsam an der Fassade des Gebäudes hinab, ihre Bewegung fast wie erstarrt in der Zeit. Das Publikum wurde anschließend nach Schloss Prinzendorf gebracht, wo der zweite Akt stattfand. Dort inszenierte Holzinger mit ihrem rein weiblichen Ensemble das „Letzte Abendmahl“ neu – im Burghof, während einige Performerkünstlerinnen an Haken hingen.
Die Produktion bot eine opulente Mischung aus Elementen: Autos, ein Motorrad, ein Fallschirmsprung und der Monstertruck. Anders als frühere Aktionskunst setzte Holzingers Stück stark auf Technologie und körperliche Extremlagen. Den Abschluss bildete die Künstlerin mit ihren „Jüngerinnen“, die sanft in der Luft schwebten – ein seltener Moment der Stille im Chaos.
Holzingers Pfingstspiel verband Tradition mit Innovation, rohe Intensität mit technologischem Spektakel. Die Aufführung markierte eine neue Richtung der Aktionskunst, die Nitschs Einfluss mit zeitgenössischer Radikalität verschmilzt. Das Publikum erlebte eine Darstellung, die ebenso provokant wie visuell überwältigend war.






