Entwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
Stjepan StaudeEntwicklungshilfe in der Krise: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
Am Mittwoch präsentierten die Generalsekretäre von Welthungerhilfe und Terre des Hommes ihre jährliche Bewertung der deutschen Entwicklungspolitik. Mathias Mogge und Joshua Hofert wiesen auf den wachsenden Druck durch Krisen, Kriege und den Klimawandel hin, der die globalen Hilfsbemühungen belastet. Sie forderten dringende Reformen, um die Wirksamkeit und Unabhängigkeit humanitärer Unterstützung zu verbessern.
In ihrem gemeinsamen Bericht kritisierten Welthungerhilfe und Terre des Hommes, dass den aktuellen Reformplänen eine klare Strategie fehle. Die Organisationen betonten, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur dann erfolgreich sein könne, wenn sie mit lokalen Akteuren abgestimmt werde. Gleichzeitig räumten sie die Spannung zwischen den Interessen Deutschlands und denen der Partnerländer ein.
Mogge unterstrich, dass die Qualität der Hilfe genauso wichtig sei wie ihr Umfang. Er setzte sich für weniger Bürokratie und mehr Autonomie für zivilgesellschaftliche Gruppen ein. Hofert ergänzte, dass Reformen kein von Berlin gesteuertes Projekt sein dürften, sondern von Anfang an Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen einbeziehen müssten.
Die Nichtregierungsorganisationen forderten eine Erhöhung der Mittel für humanitäre Hilfe von einer auf 2,8 Milliarden Euro im nächsten Bundeshaushalt. Zudem drängten sie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die Zivilgesellschaft aktiv in die Gestaltung der Reformen einzubinden. Der Bericht betonte, dass Hilfe bedarfsorientiert, neutral und unabhängig bleiben müsse – und nicht an politische oder wirtschaftliche Ziele geknüpft werden dürfe.
Die Organisationen begrüßten zwar das Prinzip einer Neuausrichtung der Entwicklungspolitik, warnten jedoch, dass der Erfolg von einer breiteren Einbindung abhängt. Sie forderten verbindliche Mitwirkung lokaler und internationaler Partner, um sicherzustellen, dass die Hilfe tatsächliche Bedürfnisse deckt. Mit dem Appell für höhere Mittel und weniger Bürokratie soll die deutsche Entwicklungszusammenarbeit krisenresistenter und global wirksamer werden.
