16 March 2026, 22:13

Edi Geyers Wahlplakat kehrt zurück – und polarisiert Oberstdorf erneut

Plakat mit dem Text "Elections Municipales Aristide Marre" auf einem weißen Hintergrund.

Edi Geyers Wahlplakat kehrt zurück – und polarisiert Oberstdorf erneut

Ein Wahlplakat des ehemaligen Oberstdorfer Bürgermeisters Edi Geyer ist während der aktuellen Wahl wieder aufgetaucht – und sorgt bei vielen Einheimischen für Überraschung. Obwohl Geyer 2022 im Alter von 86 Jahren verstarb, spaltet sein Erbe die Meinungen in dem bayerischen Städtchen bis heute. Manche Bürger wünschen sich sogar, er möge zurückkehren, um erneut die Geschicke der Gemeinde zu lenken.

Edi Geyer stand fast 30 Jahre lang an der Spitze Oberstdorfs, erstmals 1973 in das Amt gewählt. Seine Kandidatur wurde damals von den Freien Wählern und der SPD unterstützt – obwohl er selbst der CSU angehörte. Eine solche parteiübergreifende Konstellation war zu jener Zeit eine Seltenheit.

Berühmt wurde Geyer vor allem für seine mutige Verkehrspolitik. Er führte einen der ersten Kreisverkehre der Region ein und setzte sich später für Elektrobusse sowie flächendeckende Tempo-30-Zonen ein. Sein Vorgehen erntete sowohl Lob als auch Kritik: Die einen feierten ihn als visionär, andere hielten seine Ideen für realitätsfremd. Sein legendärer Spruch – "Ampel-Liebhaber sind Menschen, die gerne auf Anweisungen von oben warten. Wer Eigenverantwortung bevorzugt, liebt Kreisverkehre" – stand exemplarisch für seinen unnachgiebigen Führungsstil.

Seine Amtszeit verlief nicht ohne Kontroversen. Zweimal sah sich Geyer mit Parteiausschlussverfahren konfrontiert – beide Male überstand er sie. Doch selbst heute noch spiegelt Oberstdorfs Infrastruktur eher die allgemeinen bayerischen und tourismusgetriebenen Entwicklungen wider als nachhaltige Prägungen durch seine konkreten politischen Maßnahmen.

Nach Jahrzehnten im Amt blieb Geyer eine polarisierende Figur. Seine Anhänger schätzten seine Gradlinigkeit, während Kritiker seine Methoden hinterfragten. Doch selbst Jahre nach seinem Tod weckt sein Name bei denen, die seine lange und bewegte Amtszeit erlebten, noch immer Wehmut.

Das unerwartete Wiederauftauchen des Plakats bei der diesjährigen Wahl unterstreicht, wie präsent Geyer im kollektiven Gedächtnis Oberstdorfs bleibt. Zwar hinterließen seine politischen Entscheidungen keine klaren langfristigen Spuren in der städtischen Infrastruktur – doch seine starke Persönlichkeit und die jahrzehntelange Machtfülle prägen bis heute die lokalen politischen Debatten. Die Diskussion über sein Erbe ist nach wie vor so lebendig wie eh und je.

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