Digitale sexualisierte Gewalt: Fast jeder zweite Jugendliche in Thüringen betroffen
Roger AdolphDigitale sexualisierte Gewalt: Fast jeder zweite Jugendliche in Thüringen betroffen
Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen: Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen nimmt alarmierende Ausmaße an
Ein dreijähriges Modellprojekt in Thüringen hat sich mit digitaler sexualisierter Gewalt unter Kindern und Jugendlichen auseinandergesetzt. Die vom Landesjugendamt finanzierte Initiative erreichte Tausende Schülerinnen und Schüler durch Präventionsworkshops an Schulen. Aktuelle Daten zeigen nun, wie verbreitet das Problem mittlerweile ist – fast die Hälfte aller Minderjährigen berichtet von Online-Missbrauch.
geleitet wurde das Projekt von Yasmina Ramdani, die in ganz Thüringen Aufklärungsveranstaltungen durchführte. Rund 5.000 Jugendliche nahmen teil und lernten dabei Risiken wie Cybergrooming kennen – eine Methode, bei der Täter Kinder in Chats gezielt ansprechen, um sie später zu belästigen oder auszubeuten. Das Programm war das erste seiner Art in Deutschland und stieß auf große Nachfrage seitens der Schulen.
Cybergrooming ist jedoch nur eine Form digitaler sexualisierter Gewalt. Studien des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit zufolge hatte bis 2025 fast jedes vierte Kind bereits solche Erfahrungen gemacht. Noch besorgniserregender: Fast die Hälfte aller Jugendlichen war irgendwann von sexueller Online-Gewalt betroffen. Viele Vorfälle ereignen sich zudem im eigenen Umfeld, etwa in Klassen- oder Freundesgruppenchats.
Seit dem Auslaufen des Projekts um 2023 haben Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen ähnliche Workshops eingeführt. Doch bundesweit gibt es keine offiziellen Zahlen, wie viele Schulen mittlerweile Präventionsangebote anbieten. Fachleute betonen, dass frühzeitige Aufklärung langfristig Kosten spart – im Vergleich zu den Folgen ungehinderter Gewalt. Gleichzeitig appellieren sie an Eltern, ihr eigenes digitales Verhalten zu reflektieren, um Missbrauch vorzubeugen.
Das Thüringer Pilotprojekt machte deutlich, wie drängend das Problem digitaler sexualisierter Gewalt ist. Zwar haben einige Regionen nachgezogen, doch eine zentrale Erfassung schulischer Präventionsmaßnahmen fehlt bis heute. Behörden fordern weiterhin mehr Bewusstsein für das Thema – angesichts der hohen Zahl betroffener junger Menschen.






