Deutschland diskutiert Rückkehr zur Wehrpflicht wegen Rekrutierungsflaute
Roger AdolphDeutschland diskutiert Rückkehr zur Wehrpflicht wegen Rekrutierungsflaute
Deutschland erwägt die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, falls die freiwillige Rekrutierung die gesetzten Ziele verfehlt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat signalisiert, dass ein verpflichtender Wehrdienst notwendig sein könnte, um die Streitkräfte zu stärken. Der Vorstoß kommt, nachdem eine jüngste Kampagne zur freiwilligen Meldung hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.
Im Jahr 2026 hatte Deutschland im Rahmen der freiwilligen Rekrutierungsoffensive fast 300.000 18-Jährige angeschrieben. Lediglich 530 meldeten sich freiwillig, während etwa 1.500 Jugendliche an medizinischen Untersuchungen teilnahmen. Von den Geprüften wurden rund 80 Prozent als diensttauglich eingestuft.
Anfangs zeigten 25 Prozent der jungen Männer Interesse, der Bundeswehr beizutreten. Nach Telefoninterviews sank diese Zahl jedoch auf 12,5 Prozent. Die oppositionelle AfD kritisierte die niedrigen Zahlen als unzureichend für eine glaubwürdige militärische Reserve.
Ab Juli 2027 müssen sich alle 18-jährigen Männer verpflichtenden medizinischen und körperlichen Eignungstests unterziehen. Wer den militärischen Fragebogen nicht ausfüllt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 250 Euro – mit der Möglichkeit noch strengerer Sanktionen. Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter forderte angesichts der enttäuschenden Rekrutierungsergebnisse bereits die Rückkehr zur Wehrpflicht.
Deutschland strebt an, die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten von derzeit 186.000 auf etwa 260.000 bis Mitte der 2030er-Jahre zu erhöhen. Eine vollständige Wiedereinführung der Wehrpflicht würde jedoch der Zustimmung des Parlaments bedürfen.
Die Regierung prüft derzeit ihre Optionen, da die freiwillige Rekrutierung nicht die gewünschten Ergebnisse liefert. Verpflichtende Untersuchungen und mögliche Strafen könnten die Beteiligung erhöhen. Sollten die Zahlen weiterhin zu niedrig ausfallen, hat der Verteidigungsminister angedeutet, dass die Wehrpflicht zurückkehren könnte, um die Verteidigungsbereitschaft zu sichern.
