Bayerische Krisentelefone zwischen Engagement und Überlastung – was die neue Studie enthüllt
Stjepan StaudeUmfrage unter Seelsorgern: Beratung soll vielfältiger werden - Bayerische Krisentelefone zwischen Engagement und Überlastung – was die neue Studie enthüllt
Neue Studie untersucht die Lage der bayerischen Krisentelefone – Engagement trifft auf Überlastung
Eine aktuelle Untersuchung hat die Situation der bayerischen Krisentelefone analysiert und dabei sowohl Stärken als auch drängende Herausforderungen aufgezeigt. Über 800 Mitarbeiter:innen teilten ihre Erfahrungen in einer Online-Umfrage, die zwischen Dezember 2024 und März 2025 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit mit der Arbeit, deuten aber auch auf gravierende Probleme wie Personalmangel und knappe Ressourcen hin.
Die erste bundesweite Erhebung der Telefonseelsorge, durchgeführt vom Zentrum für Angewandte Pastoralforschung der Ruhr-Universität Bochum, ergab, dass sich die Berater:innen stark mit ihrer Tätigkeit verbunden fühlen. Viele berichteten von einer tiefen emotionalen Bindung zu den Anrufenden – trotz der zunehmend komplexen Krisensituationen in einer immer vielfältigeren Gesellschaft.
Doch die Umfrage legte auch erhebliche Belastungen des Systems offen. Die Mitarbeiter:innen schilderten hohe Arbeitslasten und chronischen Personalmangel, was ihre Fähigkeit beeinträchtigt, die Nachfrage zu bedienen. Begrenzte Finanzmittel und Personalknappheit erschweren zudem den Ausbau mehrsprachiger und interkultureller Angebote – Dienstleistungen, die angesichts der gesellschaftlichen Diversität immer notwendiger werden.
Bisher hatten Datenschutzbedenken und logistische Hürden direkte Rückmeldungen von Anrufenden verhindert. Die Forscher:innen empfehlen nun, in der nächsten Studienphase auch die Perspektiven der Hilfesuchenden einzubeziehen, um die Wirksamkeit der Angebote besser zu verstehen.
Der Bericht fordert die Trägerorganisationen auf, den Personalmangel und die Arbeitsbelastung anzugehen. Zudem wird zu verstärkten Investitionen in mehrsprachige Dienstleistungen aufgerufen, damit die Krisentelefone der vielfältigen Bevölkerung Bayerns gerecht werden können.
Die Studie zeichnet ein klares Bild: Engagierte Mitarbeiter:innen stehen vor wachsenden Anforderungen bei unzureichenden Ressourcen. Ohne zusätzliche Mittel und Personal wird der Ausbau interkultureller und mehrsprachiger Angebote schwierig bleiben. Künftige Schritte könnten die systematische Erfassung von Anruferfeedback umfassen, um die Dienste weiterzuentwickeln und Lücken zu schließen.






