Atomausstieg 2023: Warum die Debatte um Kernenergie neu entfacht ist
Stjepan StaudeKernenergie-Debatte: AfD fordert Wiedereinstieg - Starke Gegenwehr im Bundestag - Atomausstieg 2023: Warum die Debatte um Kernenergie neu entfacht ist
Am 15. April 2023 wurden Deutschlands letzte drei Atomkraftwerke abgeschaltet – damit endete eine 61-jährige Ära der Atomenergie im Land. Die Stilllegung der Meiler in Emsland, Isar 2 und Grohnde vollendete den schrittweisen Ausstieg, der nach der Fukushima-Katastrophe 2011 unter der Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel gesetzlich beschlossen worden war. Doch nun flammen die politischen Grabenkämpfe wieder auf: Sollte die Kernenergie ein Comeback erleben?
Die Debatte erhielt neuen Schwung, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die europäische Ablehnung der Atomkraft als strategischen Fehler bezeichnete. Sie kündigte neue EU-Fördergelder für die Kernenergie an – eine Ankündigung, die in Deutschland gemischte Reaktionen auslöste. Bundeskanzler Friedrich Merz gab zu, ihre Haltung zu teilen, betonte jedoch, der deutsche Atomausstieg bleibe unumkehrbar.
Der AfD-Abgeordnete Andreas Bleck warf Merz Täuschung vor und behauptete, der Kanzler wisse, dass der Ausstieg rückgängig gemacht werden könne. Bleck drängte seine eigene unionsgeführte Mitte-rechts-Fraktion, sich mit der AfD zu verbünden und das Atomgesetz zu ändern, um den Weg für eine Rückkehr der Kernenergie freizumachen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ging noch weiter: Er forderte eine komplette Kehrtwende in der Atompolitik und präsentierte Pläne für den Bau kleiner modularer Reaktoren in seinem Bundesland.
Kritiker wiesen die Vorschläge umgehend zurück. Die SPD-Politikerin Nina Scheer nannte eine Renaissance der Atomkraft in einer Zeit von Versorgungsabhängigkeiten unsinnig und plädierte stattdessen für einen Fokus auf erneuerbare Energien. Der Grünen-Politiker Harald Ebner bezeichnete die Idee als abstrus irreführend und verwies auf das ungelöste Problem der Endlagerung von Atommüll. Janine Wissler von der Linken spottete, die Debatte sei nur die nächste Zombie-Auferstehung der Atomkraft – bei gleichzeitig hohen Stromgestehungskosten.
Deutschland betrieb einst 33 Reaktorblöcke mit einer Spitzenleistung von 23 Gigawatt. Die endgültige Abschaltung 2023 schloss ein Kapitel, das 1962 begonnen hatte – doch der politische Streit um die Zukunft der Atomenergie ist damit keineswegs beendet.
Die Stilllegung der letzten AKW hat die Kontroverse um die Kernkraft nicht beigelegt. Während einige Politiker auf eine Wiederbelebung drängen, pochen andere auf den Ausbau erneuerbarer Energien und die Lösung drängender Probleme wie die Atommüll-Entsorgung. Die erneute EU-Unterstützung für die Atomenergie erhöht den Druck in einer Debatte, die nach wie vor tief gespalten ist.






