Angélica Liddells provokantes Mishima-Drama feiert Wiener Premiere
Miroslav HofmannAngélica Liddells provokantes Mishima-Drama feiert Wiener Premiere
Angélica Liddell präsentierte bei den Wiener Festwochen 2024 ihre neueste Arbeit
Unter dem Titel „Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben“ feierte das Stück am Donnerstag, dem 10. April 2024, im Volkstheater Premiere. Die Aufführung lotet die Themen Leben, Tod und das Makabre aus und setzt sich intensiv mit dem Leben und dem rituellen Selbstmord des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima auseinander. Liddell greift dabei auf Elemente des Nō-Theaters zurück, um Mishimas Seppuku nachzuempfinden. Die rund zweistündige Inszenierung vereint ekstatische Momente, schwarzen Humor und explizite Szenen.
Für das Stück bezieht sich Liddell auf persönliche Erfahrungen: Am 7. Januar 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Die Performance untersucht zudem das Leben und den Tod fremder Menschen anhand ihrer Kleidung.
Die Wiener Festwochen 2024 zeigen weitere Werke mit ähnlichen Motiven, darunter „Mythen des Alltags“ und „Pfingstspiel“, die sich ebenfalls über Kleidung und Blut mit menschlichen Schicksalen befassen. In „Seppuku“ vermischen Liddell und eine weitere Performerin ihr eigenes Blut und spritzen es während der Vorstellung auf eine Leinwand.
Liddells Werk ist Teil der umfassenderen Auseinandersetzung des Festivals mit Sterblichkeit und menschlichem Ausdruck. Die Inszenierung verbindet persönliche Reflexion mit theatralischer Tradition und bietet eine schonungslose, eindringliche Darstellung von Mishimas letztem Akt und dessen nachhallender Wirkung.






