Aktivistin deckt umstrittene Gedichte von Kulturminister Weimer auf
Stjepan StaudeAktivistin deckt umstrittene Gedichte von Kulturminister Weimer auf
Die Aktivistin Martha Root hat die frühe Arbeit von Kulturminister Wolfram Weimer in den Fokus gerückt. Sie übergab dessen 1986 im Selbstverlag erschienene Gedichtsammlung „Kopfpilz“ an die Deutsche Nationalbibliothek. Das Buch enthält umstrittene Gedichte, die Root als Verherrlichung schädlicher Ideen kritisiert.
Im Dezember 2022 infiltrierte Root während des Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“. Später widmete sie sich Weimers Vergangenheit, indem sie eine digitalisierte Version von „Kopfpilz“ auf Archive.org hochlud, um den kostenlosen Zugang zu ermöglichen. Die Sammlung umfasst Gedichte wie „Vorfreude“, das sich mit dem Tod beschäftigt, sowie „Unglück“, das sexuelle Gewalt in derber Weise thematisiert.
Root bezeichnet die Inhalte als geschmacklos und als Ausdruck einer „Vergewaltigungskultur“. Zudem wirft sie Weimer, der heute eine öffentliche Figur ist, vor, sich nie zu den Konsequenzen seiner frühen Texte geäußert zu haben. Um den Minister weiter unter Druck zu setzen, plant sie, ein physisches Exemplar von „Kopfpilz“ zu versteigern – der Erlös soll dem Leseförderprojekt „Lesen Hilft“ zugutekommen.
Auch in anderen Bereichen steht Weimers Ministerium in der Kritik. Seine ehemalige Firma, die heute von seiner Ehefrau geleitet wird, arbeitete mit der Pressestelle des Ministeriums zusammen, um kritische Medienberichte zu steuern. Zudem hatte das Ministerium die vorübergehende Unterbrechung des Ausbaus der Deutschen Nationalbibliothek zunächst als „Moratorium“ bezeichnet. Der Ludwig-Erhard-Gipfel, eine Veranstaltung für einflussreiche Persönlichkeiten, erhielt erhebliche öffentliche Förderung.
Durch Roots Engagement ist Weimers frühes Werk nun öffentlich diskutiert. Die Versteigerung von „Kopfpilz“ soll einem guten Zweck dienen. Gleichzeitig bleiben Fragen zu Weimers früheren Aussagen und der Transparenz seines Ministeriums offen.






